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50 Jahre Comics, Captain Collector zieht Bilanz

Thomas Sr. (Captain Collector)Thomas Sr. (Captain Collector)Letzte Aktualisierung: 8. Dezember 2020 ca. 6 Min. Lesezeit

Ja, Ihr habt richtig gelesen. 50 Jahre ist es her, seit ich mein erstes Comicheft, soweit ich mich erinnere ein Bessy vom Bastei Verlag, im damals verschlafenen Nest Neuenhof gekauft hatte. Das muss irgendwann im November 1970 gewesen sein. Seitdem ist ein halbes Jahrhundert vergangen, und Comics haben mich diese Jahre stetig und regelmässig auf meinem Weg begleitet.

Damals, in den Tiefen der Siebziger

Ich will nicht behaupten, dass meine Entwicklung als Comicleser praktisch von Anbeginn auch schon als Comicsammler den einen üblichen Weg gegangen ist. Den gibt es vermutlich auch nicht. Aber ich bin einen Weg gegangen, der sich aus meiner Perspektive als folgerichtig erwiesen hat.

Warum es mit dem Wilden Westen begann, weiss ich nicht. Damals war es üblich, Cowboy & Indianer zu spielen. Wir Kinder waren oft draussen, haben auf den Feldern und im Wald gespielt, alles war ein grosses Abenteuer. Vielleicht übten deshalb Comics wie Bessy, Buffalo Bill und Silberpfeil eine magische Anziehung auf mich aus. Vielleicht folgten die Funnies wie Fix und Foxiauch deshalb erst etwas später.

Aber sie liessen nicht lange auf sich warten. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob der gute alte Western Ende 1971 den Umzug nach Zürich überlebte. In meiner Erinnerung gibt es in Zürich nur noch Fix und Foxi & Co. Und natürlich die Micky Maus. Eine kosequente Weiterentwicklung? Ja, mag sein. Rein zeichnerisch auf jeden Fall, zieht man die eher minderwertigere Qualität der Zeichnungen in den meisten Wildwest Comics des Bastei Verlags in Betracht.

Kauka Rules

Die Vielfalt der Serien von Rolf Kauka öffnete mir einen Blick auf all die francobelgischen Comics und natürlich auf die eigenständigen Produktionen aus dem Hause Kauka. Und da gab es eine ganze Menge zu entdecken. Ich hatte das Glück, dass ich mitten in die Blütezeit des Magazins Primo eintauchen und so mit noch mehr internationalen Comicserien Bekanntschaft machen konnte, wie zum Beispiel Prinz Eisenherz.

Diese frühe Phase war für mich sehr entscheidend und «eichte» mich gewissermassen als Comicfan und Comicsammler. Es war wie ein solider Grundstein, der mich fest mit dem Medium Comic verankerte. Gleichzeitig prägten mich die frühen Siebziger Jahre als eher «konservativen» Comicleser. Was ich damit meine? Nun, wäre ich nur fünf Jahre älter gewesen, hätte ich vermutlich den Zugang zu alternativen und etwas unkonventionelleren Comics gefunden. Man denke nur an all die Underground Comix, allen voran Robert Crumb.

Aber ich war eben da wo ich war und las und sammelte die Comics, die meinem kindlichen Gemüt entsprachen und meinen Comichunger stillten. Und deshalb war auch der nächste Schritt wieder ein konsequenter, nämlich schnurstracks zu den Superhelden.

Cover eines Fix-und-Foxi-Hefts mit Lupo unter einem Baum
© Kauka

Kirby Kills Kauka

Ab 1974 beherrschten unbesiegbare Superhelden die Zeitschriftenstände in meinen Zürcher Jagdgründen! Ich erlag dem Marvel Virus, der fortan fester Bestandteil meines Grundwesens bleiben sollte. Natürlich war der Williams Verlag an allem schuld. Das Design der Marvel Comics, die ab 1974 bei Williams erschienen, war gelinde gesagt atemberaubend. Nicht nur die Farben und die Liebe zum Detail, sondern auch das Medium, sprich, Papier, waren einfach perfekt. Hier stimmte alles. Hier wurde ich optisch geeicht, was all jene verstehen werden, die live dabei waren.

Williams führte schliesslich konsequent zu den amerikanischen Originalen, wo sich mir eine schier endlose Fülle an Material erschloss. Make Mine Marvel war nicht bloss ein Werbespruch von Stan Lee, ich lebte ihn. Zumindest bis Ende der Siebziger, als nämlich der Williams Verlag langsam ausdümpelte und schliesslich seine Pforten für immer schloss. Über den kläglichen Nachfolger, den Condor Verlag, will ich hier nicht schreiben. Der war letztendlich schuld daran, dass ich die Superhelden auf Eis legte. Vorläufig zumindest.

Rückbesinnung und Verblendung

Dann folgten für mich Zeiten, in den ich mich teilweise den Helden meiner Anfänge zuwandte und vermehrt francobelgische Reihen las und sammelte. Tim und Struppi, Spirou und Fantasio, das Marsupilami und andere. So ganz comiclos wollte ich dann doch nicht sein.

Erst Mitte der Achtziger Jahre lenkte ich meine Aufmerksamkeit wieder auf die Superhelden, als nämlich Frank Millers bahnbrechendes Epos The Dark Knight Returnserschien. Dieser Comic hat dann auch alles wieder ins Rollen gebracht und dem damals dahinsiechenden Medium den nötigen Tritt in den Hintern versetzt.

Zu meinem Leidwesen muss ich eingestehen, dass ich in den Neunzigern, wie viele andere Comicsammler auch, dem sogenannten Image-Wahn verfiel. Als Spawn Nr. 1 1992 auf den Markt kam, brillierte es vor allem durch die ungeheuer beeindruckende (wortwörtlich) Druckqualität und die sagenhaften Farben.

Mit vielen Comic Serien beim neu gegründeten Image Verlag war es so, da war mehr Schein als Sein, doch es funktionierte. Ich war, wieder: wie viele andere Comicsammler auch, geblendet und blieb eine Zeitlang dabei, bis auch mir klar wurde, dass ich mich hier in einer Eye-Candy-Seifenblase befand, die früher oder später platzen musste.

Etwa 600 Comichefte später war es dann für mich soweit, ich kaufte keine Image Hefte mehr. Ich hatte mich allerdings gleichzeitig darauf konzentriert, vermehrt antiquarische Marvel Comics aus dem Silver Age und dem Bronze Age zu kaufen, und damit meine in den Siebzigern begonnene Sammlung von amerikanischen Originalen auszubauen. Das waren solide Steine, im Gegensatz zur Sandburg Image.

Cover von «Die Spinne» Nr. 113 mit Spider-Man über einer Menschenmenge
© Marvel

Endzeit

Das neue Jahrtausend brachte dann viele meiner Helden auf die Kinoleinwand, mal besonders gut gelungen, mal eher etwas weniger. Fakt ist, dass Superhelden spätestens seit der Jahrtausendwende salonfähig geworden waren. Plötzlich wusste jeder, wer Thanos oder Black Panther war. Noch wenige Jahre zuvor war dieses Wissen den abschätzig belächelten Comicnerds vorbehalten gewesen.

Obschon spätestens nach dem grossen Erfolg der Kinofilme die Comics zu beiläufigen Werbeträgern degradiert worden waren, versuchte ich immer mal wieder die eine oder andere Storyline zu lesen. Es gab auch im neuen Jahrtausend Autoren und Zeichner, die etwas zum Marvel Universum beizutragen hatten. Mal gefiel mir, was ich las, mal eher weniger. Doch die Anzahl der letzteren überstieg die der ersteren. Leider.

Back to the Roots. Der einzige logische Ausweg. Und das funktioniert. Es ist nicht das Problem der Comicindustrie, dass das meiste, was es heute hervorbringt, kein seeliges Lächeln auf meine Lippen zaubert. Es ist mein Problem. Letzendlich ist es eine Frage des persönlichen Geschmacks. Deshalb erfreue ich mich heute hauptsächlich an den Klassikern der Sechziger und Siebziger. Auf deren Schultern baut die ganze Comicindustrie von heute auf, und hat sich heute doch unendlich weit davon entfernt. Und das nur in ganz, ganz seltenen Fällen im positiven Sinn.

Worte eines verbitterten alten Comicfans? Ganz sicher nicht. Eher die nüchterne, oder nostalgische, je nachdem, Sichtweise eines Comicveteranen, der den konreten Vergleich anstellen kann, weil er dabei gewesen ist. 50 lange Jahre lang.

Ich frage mich, wo die Reise wohl hingeht. Die nächsten 50 Jahre werde ich wohl nicht mehr dabei sein, aber mit ein wenig Glück noch ein paar wenige Jahrzehnte …

Thomas Sr. (Captain Collector)Thomas Sr. (Captain Collector)Captain Collectors tiefssinnige Comicweisheiten

Bessy, Fix und Foxi und mehr

Viele der Serien aus diesem Rückblick findest du bei AMAZINGTOYS® unter Bessy und Kauka Comics.

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