Ultimate Superhero Crisis

Marvel und DC feiern ultimative Riesenerfolge!

Captain Collector
Perry Rhodan von Cross Cult
Infinite Crisis


Perry Rhodan Comic Nr. 1 von Cross Cult

Das Cover springt mir als altem Marvel Zombie natürlich sofort ins Auge. Der Superhelden-Einfluss lässt sich sowohl beim Design als auch bei der Gestaltung der Charaktere nicht leugnen. Perry Rhodan als Muskelprotz mit enganliegendem Raumkombi, eine leicht bekleidete Gefährtin (natürlich auch in superenge Klamotten gepresst), dann eine zweite, wesentlich züchtiger gekleidete, dahinter Icho Tolot, der aussieht wie Dings (Die Fantastischen Vier) grosser Bruder - und natürlich Gucky, der im Vordergrund auf allen Vieren kauert. (Er erinnert ein kleines bisschen an ein Meerschweinchen.) Das gute alte PR-Logo (digitally enhanced) schwebt erhaben über allem, links oben im obligaten Info-Kästchen ist neben Preis und Nummer das wohlbekannte Cross Cult Markenzeichen.

Mir gefällt, was ich sehe! Endlich wieder ein Perry Rhodan Comic. Da sehe ich gerne über unwesentliche Unzulänglichkeiten hinweg, meine Toleranzschwelle fällt entsprechend niedriger aus, der kritische Blick wird nostalgisch verklärt.

Marco Castiellos Zeichenstil ist noch etwas holprig, und er wird sich im Lauf der weiteren Ausgaben etwas Routine anzeichnen müssen. Ich hoffe, er legt sich dann auch fest, wieviele Finger ein Haluter hat (Seite 5 Panel 1 ist mit Seite 32 Panel 3 nicht gerade im Einklang). Ausserdem sollte er sich von Tolots Ähnlichkeit mit Ding/Ben Grimm lösen (Seite 24 Panel 5) und keine Skrulls aus dem Marvel-Universum ins Perryversum teleportieren (Seite 7 Panel 3 und Seite 27 Panel 4).

Bei der Konsistenz und Einheitlichkeit der Figuren hat er eindeutig den Bogen bei den Frauen raus. Offenbar hat er keine Mühe, seine Frauenfiguren so zu zeichnen, dass sie durch das ganze Comic wiedererkennbar sind - die Gesichter, meine ich. Bei Perry ist es ihm noch nicht gelungen, die Figur so darzustellen, dass der Leser ihn in jedem Bild sofort erkennt - und ich rede hier wieder vom Gesicht (zugegeben, die überdimensionalen Schulterpolster helfen da schon etwas).

Das Layout und die Farben sind guter Standard, nicht aussergewöhnlich. Im grossen und ganzen gefällt mir das Comic, und ich werde bestimmt auch die Nummer 2 kaufen. Und die Nummer 3. Und ...

Aber ich bin ja nicht massgebend, weil ich ein hoffnungslos sentimentaler alter Sack aus dem letzten Jahrhundert (Jahrtausend) bin. Ziemlich genau 1 Jahr älter als unser Mann im All. Und da ich 1970 meine erste Berührung mit PR hatte, bin ich unrettbar von Johnny Brucks Bilddarstellungen geprägt. Das Perry Rhodan Universum ist für mich eine reale Parallelwelt, die irgendwo existiert, in irgendeiner Dimension Realität ist. Es ist schwierig, gegen solche Vorurteile mit einem neuen Comic anzukommen, doch es hilft ungemein, wenn man auch noch - wie ich - Marvel Comics liebt. (Und ich spreche jetzt von Marvel bis etwa 1980, nicht von Disney-verschwurbelt-Marvel von heute.)

Ich glaube fest daran, dass das neue PR Comic von Cross Cult dem heutigen Zeitgeist entspricht und sich an ein vorwiegend junges Publikum richtet, was aber nicht heissen muss, dass besagter alter Sack (siehe oben) den Heften nicht auch etwas abgewinnen kann! Jedenfalls werde ich geduldig auf die nächsten Ausgaben warten und sie auch anschauen, lesen und sammeln. PR ist eben Kult, nicht nur bei Cross Cult, und gehört fest zur Populärkultur unserer Welt, sei sie digital, real oder andersdimensional!

Captain Collector



Eine Ultimative Superheldenkrise?

Wohl kaum. Die Comicindustrie feiert in den USA Hochkonjunktur, allen voran das Genre der Superhelden. Seit einigen Jahren haben die beiden Verlagsgiganten Marvel und DC ihre Territorien abgesteckt und dabei offenbar stillschweigend Adjektive und Substantive der Superlative (wie sich's für richtige Superverlage gehört) zum Markenzeichen gesetzt, das der jeweils andere respektiert.

Oder hat schon mal jemand etwas von Ultimate Batman gehört? Oder von Infinite Crisis in the Baxter Building? Nein. Gibt's nicht! Das Adjektiv ultimate ist eindeutig Eigentum von Marvel und kennzeichnet die realistische Linie ihrer Superhelden, die alle im Ultimate-Universum angesiedelt sind.

Es begann mit Ultimate Spider-Man, wobei der Fokus auf eine Neudefinition des Spinnenmannes für neue, frische Generationen gerichtet war. Schon bald jedoch verselbständigte sich die Idee und brachte bedingt durch den grossen Erfolg zahlreiche Spin-Offs hervor wie Ultimate Fantastic Four und die ultimative Version der Avengers: Die Ultimates. Heute ist diese Produktlinie und ihre zahlreichen Crossovers mit anderen Marvel-Universen fester Bestandteil der Marvel Saga.

DC's krisengeschüttelte Universen wurden von einer Krise in die andere geworfen und machen das Lesen der Superhelden-Comics interessant und facettenreich. Nach Crisis on Infinite Earths in den guten alten 1980er Jahren folgte nach etlichen Jahren die Identity Crisis, danach Infinite Crisis und wird wohl auch in der Final Crisis, DC's Gross-Event in 2008, noch kein Ende finden. Krisenreiche Crisis-Vermarktung, die funktioniert.

Und so haben die Grossen ihre Territorien fest abgesteckt und kommen sich nicht in die Quere. Bei beiden geht es ums down to earth Prinzip der Vermenschlichung der Superhelden und ihre realitätsnahe Darstellung. Und gerade das macht Superhelden-Comics so interessant, weil die Identifikationsfiguren uns ein gutes Stück näher rücken. Manchmal unangenehm nahe, sodass man sich wünscht, zurück in den unschuldigen 1970ern zu sein, wo Gut und Böse noch weiss und schwarz waren, sich mit blossen Fäusten prügelten und nach heftigem Wort- und Schlagwechsel wieder ihrer Wege gingen. Heute wird scharf geschossen, unbarmherzig gekämpft, und so mancher bleibt dabei für immer auf der Strecke. Für immer? Na ja; - für Superhelden gilt ja zum Glück immer noch das umgekehrte Prinzip der Schwergewichts-Boxweltmeister: They always come back.

Eine Ultimative Krise für den normalsterblichen Leser!

Captain Collector

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